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Verliere ich den Verstand? Oder ist das nur die Perimenopause?

Schwankungen im Hormonspiegel können unser psychisches Wohlbefinden in vielerlei Weise beeinflussen. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum unsere Laune wechselhafter wird, je näher die Menopause rückt.

Von Fiorella Valdesolo|Wissenschaftlich geprüft von Michelle Cardel
Zuletzt aktualisiert 5. September 2025

Die Wechseljahre sind mittlerweile nichts mehr, über das man nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Die Generation X (geboren zwischen 1960 und 1980) ist die erste Generation, die mit zunehmendem Alter offener über das spricht, was Frauen in den Wechseljahren bewegt. Selbst ihre berühmteren Vertreterinnen (wie Halle Berry, Drew Barrymore und Naomi Watts) reden ganz offen über ihre Hitzewallungen, vaginale Trockenheit und nächtliches Schwitzen. Aber nicht nur der Körper verändert sich. Auch das Gehirn.

Warum die Perimenopause unsere Stimmung beeinflusst

Die Perimenopause (die Phase vor der eigentlichen Menopause) beginnt, wenn der Zyklus sich um sieben oder mehr Tage verschiebt, und endet zwölf Monate nach der letzten Periode. Diese Phase kann sich über ein Jahrzehnt hinziehen und wird zunehmend mit Veränderungen des psychischen Wohlbefindens in Verbindung gebracht.

„Stimmungsschwankungen sind ein typisches Symptom der Perimenopause“, sagt Dr. Pauline Maki, Professorin für Psychiatrie, Psychologie, Geburtshilfe und Gynäkologie an der University of Illinois Chicago. Untersuchungen zufolge sind Frauen in der Perimenopause um 40 % häufiger von Depressionen betroffen als Frauen, die noch nicht in dieser Phase sind.

Hormonschwankungen spielen dabei eine große Rolle. Dr. Lisa Mosconi, Neurowissenschaftlerin und Autorin von Das Gehirn in der Menopause, schreibt, dass Östrogen die Produktion von stimmungsregulierenden Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und GABA unterstützt. Östrogen beeinflusst zusätzlich die HPA-Achse (auch Stressachse genannt), die dabei hilft, unsere Stressreaktion zu regulieren.

Maki weist aber darauf hin, dass Stimmungsschwankungen nicht nur auf den sinkenden Östrogenspiegel zurückzuführen sind. „Ursache ist nicht der Rückgang, sondern die Schwankungen“, sagt sie. Steigt der Östrogenspiegel an einem Tag stark an, kann er am nächsten Tag rapide sinken. Das kann insbesondere unter Stress depressive Episoden auslösen. „Starke Unregelmäßigkeiten im Östradiolspiegel können eine perimenopausale Depression begünstigen.“

Das wurde bereits durch bildgebende Verfahren des Gehirns bestätigt. Dr. Judith Joseph, Fachärztin für Psychiatrie und Autorin von High Functioning, verweist auf Studien mit Gehirnscans: Sie zeigen, dass in den Wechseljahren die graue Substanz im Gehirn abnimmt – also genau da, wo sich die Zellkörper der Gehirnzellen befinden. Eine Menopausale Hormontherapie (MHT), besser bekannt als Hormonersatztherapie (HET), könnte dabei eine schützende Wirkung auf das Gehirn haben.

„Eine Studie zeigt, dass das Gehirn beginnt, die Aktivität von Östrogenrezeptoren hochzufahren – so, als würde es mehr Netze auswerfen, um mehr Östrogen einzufangen“, so Joseph. „Symptome wie Brain Fog („Gehirnnebel“) oder Niedergeschlagenheit entstehen nicht nur im Kopf. Sie sind ein Symptom dessen, was in unserem Kopf passiert.“

Häufige Symptome

Innere Unruhe, Niedergeschlagenheit, Wut oder Stimmungsschwankungen – in der Perimenopause kann man das volle Spektrum an Emotionen erleben. Joseph berichtet, dass viele ihrer Patientinnen in der Perimenopause über Niedergeschlagenheit, Launenhaftigkeit und Reizbarkeit klagen. Weil die Beschwerden nicht so stark oder lang anhaltend sind wie bei einer schweren Depression, fallen sie im Alltag oft niemandem auf.

„Patientinnen fühlen sich nicht wie sie selbst. Sie sind niedergeschlagen, gereizt und haben einen kurzen Geduldsfaden. Sie sind nervöser und unmotivierter, als hätten sie ständig PMS. Da sie aber weiterhin „funktionieren“ wie sonst auch, fällt es anderen möglicherweise nicht auf“, sagt Dr. Hadine Joffe, Professorin für Psychiatrie am Brigham and Women’s Hospital.

Auch kognitive Symptome wie Vergesslichkeit und Brain Fog treten vermehrt auf. Bei manchen sind diese Symptome so ausgeprägt, dass eine Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vermutet wird. Aber Joseph gibt Entwarnung: „Wenn in der Kindheit keine Anzeichen von ADHS bestanden und man mit zunehmendem Alter plötzlich vergesslich wird oder Schwierigkeiten hat, seinen Alltag zu planen, liegt das meist an der Perimenopause. Für viele Frauen fühlt es sich in dieser Zeit an, als wäre ihr Gehirn in Watte gepackt – ein Zustand, der auch als Brain Fog bezeichnet wird.“

Erfahre mehr über Brain Fog in den Wechseljahren

Wer ist besonders gefährdet?

Die zweite Lebenshälfte bringt neue Herausforderungen mit sich: Karriere, Kinder, Pflege von Angehörigen und sich verändernde Beziehungen fordern ihren Tribut. Hinzu kommen körperliche Veränderungen wie Gewichtszunahme, Libidoverlust und Schlafstörungen. All das geht oft zulasten der eigenen Psyche.

Frauen mit affektiven Störungen haben dabei ein höheres Risiko. Laut Maki erleben viele Frauen, die bereits Depressionen hatten, im Laufe der Wechseljahre eine erneute depressive Episode.

Behandlungsmöglichkeiten

Wer sich auf mögliche Stimmungsschwankungen in der Perimenopause vorbereiten möchte, sollte sich zunächst bewusst machen, dass sie dazugehören. Viele Frauen sind es gewohnt, die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen zu stellen und Probleme zu verdrängen. Deshalb sollte man sich in dieser Phase nicht scheuen, die Hilfe von Freunden und Ärzten in Anspruch zu nehmen.

Laut Joffe kann eine Hormonersatztherapie gegen Hitzewallungen und depressive Verstimmungen helfen. Diese wird oft in Kombination mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SRI) und kognitiver Verhaltenstherapie verschrieben. Wenn das nicht hilft, solle man nicht zögern und sich erneut an seinen Arzt wenden: „Ich sage meinen Patientinnen immer, sie sollen nicht zu lange warten, bevor sie mir sagen, dass etwas nicht funktioniert.“

Welche Rolle der Lebensstil spielt

Wenn man weiß, was einen erwartet, kann man besser damit umgehen. Joseph empfiehlt Frauen, sich ab Ende 30 auf die Perimenopause vorzubereiten. Schwarzen Frauen sogar noch früher, da sie früher in die Perimenopause kommen und stärkere Symptome haben. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, starke Bindungen, soziale Kontakte sowie ausreichend Schlaf können die Symptome abfedern.

Vorbereitung ist zwar wichtig, aber es besteht kein Grund zur Panik. „Die meisten Frauen erleben keine starken Stimmungsschwankungen“, sagt Joffe. Ein guter Grund, diesen Lebensabschnitt entspannt auf sich zukommen zu lassen.

Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Er sollte nicht als Ersatz für den Rat eines Arztes/einer Ärztin oder eines medizinischen Fachpersonals betrachtet werden.

Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Er sollte nicht als Ersatz für die Beratung durch Ihren Arzt angesehen werden.